Samstag, 31. Dezember 2016

Kleiderbaukasten

Man sollte doch wirklich meinen, irgendwann sind es genug Kleider und Kleiderschnitte. Naja, ähm, also, wenn dem so ist, ist bei mir dieser Punkt noch nicht erreicht...



Öffnet man meinen Kleiderschrank, sind die Farben Smaragdgrün - Petrol - Dunkeltürkis auf der einen Seite und Bordeauxrot - Aubergine auf der anderen Seite (also grün und rot mit kaltem Unterton für Winter-Typen ;)) ziemlich überrepräsentiert. Warum nicht mal kombinieren?

Hier und heute geschehen mit dem Modell "Lena" aus dem Kleiderbaukasten von rosa p. ohne jede Schnittänderung und aus einem an der Oberfläche angerauhten Punta di Roma mit feinem Muster in Smaragd-Petroltönen und einem hauchdünnen Viscosejersey in Bordeaux. Es ist gerade knielang und hat 3/4-Ärmel.

Ich habe mich genau vermessen und leicht angefressen Größe XL gewählt. So die Maßtabelle. Nun ist das fertige Kleid viel zu weit. Ich weiß grad nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Das muss ich nochmal nacharbeiten.

Auch nicht so ganz begeistert bin ich von den überschnittenen Schultern (macht ohne Brustabnäher ein ziemliches Gebeutel) und der seltsam tief sitzenden Passe. Die sich formal gerade in den Kleiderschnitt einfügt und keinerlei formende Funktion hat, man könnte das Ganze auch in einem Stück zuschneiden ohne Formverlust. Hm.



Update 5.3.2017:

Nun hab ich an den Kleindchen rumverbessert und geschnippelt, aber so richtig das Wahre wurde es nicht - das weite Oberteil ist nicht so meins, da sind die Modelle obendrüber überzeugender. Letztlich habe ich das Oberteil deutlich enger negnähtm eine Paspel eingesetzt und einen Hoodie draus gemacht:


Und bleibe fortan beim anderen Kleiderbaukastenschnitt.

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Aufgeräumt

Den gestrigen freien Tag habe ich damit zugebracht, mein Stoffelager auszuräumen und alles, was länger als 3 Jahre lagert, alle Reste, die zu klein sind, um etwas "Erwachsenes" draus zu nächen, alle Kinderstoffe und den gesamten Quiltingbestand auszusortieren.

War etwa 50/50 am Schluss.

So schön ist ein aufgeräumtes Stoffelager:


Und hier sind die ausgesonderten Stoffe drin, die verschenkt werden und bald auf die Reise gehen:


Mittwoch, 28. Dezember 2016

Ein paar Sorgen weniger

... mit einer passenden Notebook-Hülle und einem Sorgenfresserchen-Kissen fürs Kind



Sonntag, 4. Dezember 2016

Doubleface-Poncho zum Nachmachen

Bei der Suche nach einem Poncho, den ich sowohl indoor über die Alltagskleidung streifen kann, ohne danach ein Fall für den Haarstylisten zu sein (an meinem Arbeitsplatz ist es manchmal verdammt frisch), als auch outdoor zusätzlich über den Wollmantel, der vernünftig verarbeitet ist, aber nicht langweilig und der außerdem nicht aus 100 Polys besteht (also beim An- und Ausziehen meine Haare statisch auflädt, Effekt s.o.) - bin ich fast gescheitert. Dann habe ich einen ganz, ganz edlen gefunden - der überstieg aber leider mein Budget. Aber den "Schnitt" habe ich mit einem Blick erfasst und hiermit umgesetzt. Ich habe einen kräftigen Doubleface-Strick aus Wolle mit Alpaka ergattert und gleich einen Wendeponcho genäht. Geht aber sicher auch one way.

Die Außenseite:

Die Innenseite:


Und so geht's:

Ausgangsbasis ist ein gaaaaaanz exakt zugeschnittenes Rechteck von 140 cm Breite und 70 cm Höhe.

Alle Kanten werden mit der Overlock gesichert. Damit diese Kanten nicht wellen, an einem vom Kantenbegradigen übriggebliebenen Rest sowohl in der Länge als auch in der Breite die richtige Einstellung suchen und ggfs. üben, nicht am Stoff zu ziehen. Die Ecken müssen ganz sorgfältig gearbeitet werden, die letzten Kettnähte jeweils mit einer Nadel in die Naht ziehen, damit sie dauerhaft halten.

Dann das Rechteck mittig rechts auf rechts legen (ergibt nun ein Quadrat von 70x70) und die obere Kante von außen bis zur Hälfte schließen (=Halsöffnung von 2x35 cm bleibt offen).

Naht vorsichtig ausbügeln und Umschläge samt umgeschlagener Halsausschnittkante links auf links feststeppen.

Das ist alles.

Auf den Bildern ist die genähte Kante auf der rechten Schulter. Wie das (und der asymmetrische Halsausschnitt) angenehmer zu tragen ist, findet ihr selber raus.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Herringbone


Herringbone heißt der Schnitt aus der Herbstottobre (5/2016). Ich habe statt des nabengebenden Fischgratmusters einen schwarzen Strick mit dunkelgrünen Blümchen gewählt.



In der leicht überbelichteten Nahaufnahme sieht man den raffinierten Übertritt vorne. Am besten ist der Rock mit blickdichten schwarzen Strümpfen zu tragen. Meine anfängliche Sorge, dass er hoch"krabbeln" könnte, weil wegen des Schlitzes ja kein Unterrock trgbar ist, erwies sich gerade aufgrund des Übertritts als unbegründet. Sehr angenehm zu tragen!

Sonntag, 13. November 2016

Mützenzeit

Diesmal gestrickt, Lana Grossa Lai Degradé mit ganz dicken Nadeln:



Donnerstag, 3. November 2016

Montag, 3. Oktober 2016

Herbstzeit - Prüfungszeit - Rock und Pulli in Moosgrün



Wegen neuem Job und Prüfungsstress komm ich zu so Manchem nicht - zum Nähenetwa. aber für die Prüfung muss ich ja was zum anziehen haben, ne? Also gab es einen bequemen Strickrock nach bewährtem Lang-genug-und-nix-kneift-Schnitt aus moosgrün-schwarzem Hahnentritt-Strick.



Der Pulli dazu ist überlang, hat die linke Wirkseite außen (innen ist der butterweicheViskose-Strick angerauht) und trägt vorne und hinten eine Ziernaht auf der Außenseite (Ottobre 5/2016). Alle Säume sind Rollsäume und der Kragen fällt schön weich und immer richtig.




Sonntag, 17. Juli 2016

Leinenkleidchen casual

Es ist Sommer. Es ist warm. Leinenwetter.


Dieses grüne Leinenhängerchen ist nach meinem Standardschnitt entstanden, allerdings hat es vorne eine tiefe Kellerfalte für mehr Weite. Hinten braucht's dann keine Abnäher und nur einen kleinen Reißverschluss. Die Brust- und Schulterabnäher sind natürlich eingearbeitet, auch ein Casual-Kleidchen soll sitzen, und zwar nicht wie ein Sack!

Das Leinen ist sanforisiert und knautscht angeblich nicht so doll.

Kleiner RV und Schulterabnäher.

Kellerfalte und Brustabnäher.

Sonntag, 26. Juni 2016

Leinen, aubergine, schlicht, kastig, kurz

Heute habe ich - echt selten - ein Kleid genau nach unabgeändertem Schnitt genäht, sogar die Farbe stimmt ungefähr:


Das Leinen ist sanforisiert und sollte wirklich nur "edel" knautschen, also nicht nach kurzem Tragen aussehen wie Lumpi.

Das Modell ist die Nr. 12 aus der Ottobre 5/2014, das linke - der Schnitt ist bei beiden Modellen derselbe:


Die Tasche am Bauch sieht aus der Nähe so aus, da sind zwei Teile zusammengesetzt:



Sonntag, 19. Juni 2016

Knallbunte Punkte -ganz schlicht

Ein Widerspruch. Nun gut, meine Lieblingsfarben in dem tollen Punktedesign wie vor, als Lieblingskleid-Schnitt verarbeitet. Ohne jeden Schnickschnack, etwas länger als Knie, daher mit rückwärtigem verdecktem Schlitz.

Vorne - wie immer - nur seitliche Brustabnäher. Ansonsten bleibt das Muster unbeschnitten.

Hier erkennt man gute die rückwärtigen Schulter- und Taillenabnäher.

Der verdeckte Schlitz.

Sonntag, 12. Juni 2016

Programmänderung

Im Frühjahr hatte ich mich in den Hamburger-Liebe-Stoff mit türkisen und orangefarbenen Dots auf dunkelblauem Grund verguckt und nach der neuesten Ottobre ein kastiges 3/4-Ärmel-Kleid mit Tropfenausschitt daraus genäht. Zweimal hab ich es seither getragen und war nicht recht zufrieden:

Der Schnitt saß nicht perfekt an mir, weil diese Form einfach nicht gut zu meiner Figur passt. Der Beleg vom Halsausschnitt rollte sich ob der elastischen Vlieseline, die ich erstmalig und daher unwissend nicht vollständig umkäntelt verarbeitet hatte. Ein bisschen zu kurz für meinen Geschmack war es auch. Vor allem aber kann man über einen so weiten Kleid, zudem mit Ärmeln, nicht gescheit einen Blazer oder ein Chasuble tragen. Und damit sind zwingend verdammt viele bunte Punkte sichtbar - zu viele für manche dienstliche Anlässe.

Daher gestern eine Totaloperation. Draus geworden ist ein ärmelloses Etuikleid (Überraschung!) ähnlich dem Lieblingsschnitt (genau nach Lieblingsschnitt ging nicht - das gab der zugeschnittene Stoff nicht ganz her), innen im Oberteil ganz in Dunkelblau gefüttert, mit großem Rückenausschnitt und Colorblocking am Saum:


Alles übrigens UWYH.
Und mit (gekauftem) Chasuble drüber wird das Kleid morgen auf einer Sitzung Premiere haben.


Und weil ich den Stoff so toll finde, habe ich davon noch Nachschub mit klarblauen und pinkfarbenen Dots auf Dunkelbraun gekauft. Das wird dann ein kurvenscharfes Kleidchen nach Original- Lieblingsschnitt. Zugeschnitten isses schon.

Sonntag, 5. Juni 2016

Kurvendiskussion

Nachdem das Kleid vom letzten Wochenende mir so gar nicht an mir gefiel (und inzwischen eine neue Besitzerin hat), habe ich dieselben Farben nochmal ungemustert und mit einem neuen Schnitt getestet (Ottobre 2/15: Sporty Shape). Der Schnitt ist raffiniert, weil die Seitenteile die Silhouette geschickt in Szene setzen. Ich habe diesen ersten Versuch wegen unüberichtlich vieler Einzelteile einfach in meiner Größe gebaut und erstmal nicht schnittoptimiert. Aber das Ergebnis des Prototyps ist schon sehr tragbar - ein Kleid zum Wandern oder Radfahren, weniger als Bürochic: Es ist obenrum noch ein bisschen zu weit für mich und braucht hinten etwas mehr Abnäher.

Mit Ausnahme des Pseudo-Cover-Saums (Ziernaht aus dem Elna-Sortiment) und natürlich des Reißverschlusseinnähgedönses ist das Kleid tutti kompletti mit der Ovi genäht. Ging mit Ausnahme des Reißverschlusses auch rubbeldiekatz schnell. Mit dem eher zu dehnbaren Interlockmaterial (immerhin mit 8% Elasthan) hatte ich nämlich beim Reißverschusseinnähen ziemlich zu kämpfen. Dabei habe ich mir dieses Mal sogar das Spezialfüßchen von Prym dafür angetan - besser als mit dem Elna-Originalfuß wird der "unsichtbare" RV damit aver auch nicht eingenäht, eher im Gegenteil. Der Witz ist allerdiings, dass zumindest dieses Model so weit und dehnbar ist, dass ich eigentlich gar keinen RV gebraucht hätte. Weiß ich jetzt...


Über die Haltbarkeit von iPhones und iPhonehüllen

Mein iPhone4 ist mit 5 Jahren schon fast antik, funktioniert aber noch tadellos und kann alles, was ich brauche. Meine Wollfilz-Iphonehülle ist beinahe genauso alt und sieht immer noch prima aus. Die Verschluss-Feder ist mir aber gestern gebrochen, da musste auf die Schnelle eine neue Hülle her (Operation und Ersatzteil fand ich dann doch zu aufwändig).

Voilà - links die alte und rechts die neue Hülle:

Die neue Hülle ist übrigens im Zuschnitt nicht kleiner - die alte nur shaped by use :).

Sonntag, 29. Mai 2016

Wochenendproduktion: Geburtstagsshirt and a little touch of Nachthemd

Mein Jüngster braucht wie immer im Frühsommer ein ganz bestimmtes neues Shirt, diesmal grasgrün aus Ponte di Roma (ich liebe dieses Zeug ​  #love ).



Und ich hatte ja nun grad Grün auf den Maschinen und dachte, machste mal YWYH-Color-Blocking mit Zierstichübung und einem anderen (und meine Hoffnung war, weniger frickeligen) Halsausschnittverfahren. Nunja. *räusper* - Ich hab nun ein hübsches Sommer-Nachthemd... (gemusterter Jersey halt  #stirn ). Ja, und das Halsausschnittverfahren ist eher noch frickeliger - nur verblendet statt mit Halbfutter, dafür aber mit Bandeinfassung an den Armausschnitten - und es sitzt nicht halb so gut wie das bewährte.#motz



Montag, 16. Mai 2016

Rock und Shirt = Kleid

So rutscht das Shirt nicht heraus und der Rock kann nicht kneifen:


Der Tulpenrock ist der untere Teil eines einzigen Kleiderschnittes. Der ist selbstgebaut, ein Hybrid aus den Favoriten der letzten Monate. Entsprechend ist hinten auch der Tropfenausschnitt eingebaut:


Ordentliche Abnäher hinten hat's auch und der Beleg des Ausschnittes samt Tropfen ist schön mit elastischer Vlieseline unterlegt und sauber angesteppt. Der Druckknopf hinten ist ein mit dem Rockstoff bezogener "erwachsener" KAM-Snap.

Sonntag, 1. Mai 2016

Punkte und Kreise - schwarz und weiß

Nun ratet, welcher Schnitt... Da es Jersey ist, wieder mit Tropfenausschnitt hinten und ohne RV.



Samstag, 30. April 2016

Absolut basic: Der "kleine Schwarze" (Rock) für einen flachen Bauch

Was mit enem Kleid geht, muss doch auch mit einem Rock gehen? Ein Basic-Schnitt, der gut sitzt und auch dann nicht kneift, wenn ich ausgiebig zu Mittag gegessen habe. Möglichst flach am Bauch soll er sein. Und natürlich meinen etwas ulkigen Taillenmaßen angepasst sein: Ich habe zwar den  meiner Konfektionsgröße entsprechenden Taillenumfang, aber der vordere Teil muss erheblich verlängert werden (die Spuren der Schwangerschaften), während ich hintenrum ein ausgeprägtes Swayback plus wohlgerundetem Po habe, also erheblich weniger Bedarf. Das Verhältnis von 80 cm Taillenumfang ist so 50:30. Dadurch sitzen bei konfektionierter Ware die Seitennähte immer schief - sie zeigen nach vorne. :wacko:


So, das isser. Der Schnitt folgt dem Kostümrock "Pixel"  aus der Ottobre 2016/2 (Nr. 17). Getrickst in Sachen Taille habe ich, indem ich das vordere Rockteil eine Nummer größer zugeschnitten habe und die "gewonnenen" cm großzügig mit erheblich verbreiterten rückwärtigen Abnähern wieder eingefangen habe.


Der Flachbauch-Antikneifeffekt kommt durch die trickreiche bundlose Konstruktion mit seitlichen Abnähern im Vorderteil zu Stande. Auf dem Bild beult es ein bisschen, an mir nicht   8-)   - die Geköpfte hat nicht ganz meine Maße...


Der Rock ist vollständig gefüttert. Damit das Futter nicht oben rausquillt ist anleitungsgemäß ein Bundband eingesetzt, das am Ende mit erheblicher Handarbeit fixiert werden musste, auch der Saum ist mit Blindstichen handangesetzt. Uff. Gar so easy wie der Lieblingskleiderschnitt ist das noch nicht. Aber ich werde den Schnitt wohl weiter bearbeiten. #zaehne

Donnerstag, 28. April 2016

Tutorial: Halbgefüttertes ärmelloses Etuikleid mit Rückenreißverschluss

Ich habe mal wieder meinen Lieblingsschnitt zum Kleidchen verarbeitet:


Damit es euch nicht langweilig wird, habe ich diesmal Schritt für Schritt fotografiert. Die neuralgischen Punkte sind  das Wenden und der Reißverschluss.

Auf geht's.

Meine Sommer-Etuikleider sind nicht mit Futtertaft gefüttert (klebt, ist nicht nötig, das Prinzip funktioniert aber genauso), aber das Oberteil ist gedoppelt, sodass Einblicke von der Seite oder von oben keine unschönen Abseiten oder Nähte zeigen. Außerdem trägt es sich schön glatt und macht keinen Aufwand beim Bügeln. Und es lässt sich, wenn die neuralgischen Punkte erstmal bewältig sind, vergleichsweise leicht nähen.

So sieht das fertig von innen aus:


Das Innenfutter entspricht im Schnitt genau dem Kleiderzuschnitt und endet vorne knapp oberhalb der Brustabnäher. Hinten wird die Höhe einfach analog fortgesetzt.

Ich wähle gerne feste (Hosen-)Stoffe, leichten Sommerjeans o.ä., gerne mit etwas Lycra darin, querelastisch im Zuschnitt. Da nur exakte Arbeit bei auf Maß geschnitzten Kleidern ein gut sitzendes Ergebnis ermöglicht, hier einmal vorab: Der Stoff wird vor Verarbeitung gewaschen und gebügelt; alle Nähschritte werden jedesmal gründlich ausgebügelt.

Mein Kleid besteht aus 6 Teilen:

Beleg vorne: Versäubern unten und an den Seiten

Belege hinten: versäubern unten, an den Seiten und innen; kleine Abnäher für mich am Halsausschnitt

rückwärtige Kleiderhälften: versäubern an den Außen- und Innenseiten; kleine Abnäher für mich analog denen an den Belegen im Halsausschitt und große Abnäher in der Taille (für mein Swayback)

vorderes Kleiderteil: versäubern an den Seiten; Abnäher seitlich im Brustbereich. Möglich wären auch hier Taillenabnäher, ich habe da lieber keine

Los geht's mit dem Füttern. Die Schulternähte der Kleiderteile werden geschlossen und ausgebügelt. Dasselbe mache ich mit den Belegen vorne wie hinten. Sieht dann so aus:



Da sind es nur noch zwei Teile :). Diese beiden Teile werden nun rechts auf rechts aufeinandergelegt und sowohl am Halsausschnitt als auch an den Ärmelausschnitten exakt zusammengesteckt, Schulternaht auf Schulternaht.






Und zusammengenäht, alle drei Nähte. Nur Mut, das ist wendbar! Tipp: Der Reißverschluss lässt sich besser einbauen, wenn die Enden der Halsausschnittnaht hinten ein paar Zentimeter offen bleiben (bei mir hinter den Abnähern).

Dann werden die 4 dicken Stellen der aufeinandertreffenden Schulternähte ein bisschen zurückgeschnitten, so:
Zusammenfalten und ein Eckchen rausknipsen...

...mit ein bisschen Platz bis zur Naht

Dann noch die Rundungen an den Ärmeln und am Hals alle Zentimeter bis knapp vor der Naht einschneiden, so:

Die letzten beiden Schritte ermöglichen ein exakteres Wenden! So sieht das jetzt aus:




hier die hinten offenen Enden für den RV


Und jetzt kommt der spannenden Augenblick. Das Kleid wird gewendet. Dafür greift man von vorne unter den Beleg in den Tunnel über der Schulter und zieht das jeweils entsprechende halbe Rückenteil samt Beleg einfach durch.

Reingreifen...
...packen und ziehen...
...und durch isses.


Gut ausbügeln, dann sieht das jetzt so aus:


Nun muss noch der RV rein - ich nehme einen nahtverdeckten und nähe ihn mit dem RV-Füßchen fest. Das kann man bestimmt exakter als ich das gemeinhin mache, ich finde es so schon kompliziert genug. Anleitungen hierzu sind Legion, ich versuche jetzt, nicht alles zu wiederholen, sondern zeige die wesentlichen Schritte und verrate ein paar von meinen "Tricks".

Trick 1: Stecken ist sinnlos (weil es eh verrutscht), aber das Anlegen auf einem Tisch oder Bügelbrett statt einfach auf dem Schoß verhindert 50% der üblichen Fehler, vor allem die Verknotigungen beim 2. RV-Teil.

Ich beginne mit der "Schokoladenseite", der linken Kleiderhälfte, und nähe den RV so fest, dass das Ende der Zähnchenkante später recht genau vor den Umbruch zu liegen kommt. RV-Kante liegt haargenau auf der Stoffkante.



 Genäht wird bis ein paar Zentimeter vor RV-Ende. Gut festnähen.



RV schließen und andere RV-Seite an genau derselben Höhe am rechten Kleiderteil anmessen. RV öffnen und analog annähen.

Trick 2: Auch, wenn man nun das Kleiderteil durch den Bogen der Nähmaschine frickeln muss: Dennoch auch diese Naht von oben nach unten nähen, sonst verzieht's.



 Ausprobieren: Ist das wirklich gleich hoch?



Das kann man so durchgehen lassen. Ansonsten greift ...

Trick 3: Wenn der RV jetzt nicht sitzt, ist JETZT der Moment, die schiefere Seite aufzutrennen und nochmal zu versuchen. Später wird's eklig. (Mein Rekord liegt bei 18x Auftrennen).

RV öffnen und die Halsnähte schließen sowie die offenen Mittelseiten des rückwärtigen Belegs annähen. Dabei daraf achten, dass die Halsnähte genau aufeinandertreffen.

Trick 4: Die Belege stecken und von der Seite nähen, auf der bereits die RV-Naht zu sehen ist. Geht am besten mit dem normalen Füßchen.


Wenden und kontrollieren, ob das Ergebnis passt. Wenn nein, zurückdrehen, auftrennen und...#motz Wenn ja, nochmal zurückdrehen und Stoff-Ecken (nicht den RV!) ein bisschen einkürzen. (Aber das wirklich erst, wenn du mit dem Ergebnis zufrieden bist!)



Ich hab mich mit 1 mm Versatz zufriedengegeben...#augen

Jetzt wird die Bodennaht geschlossen. Dazu die rückwärtigen Hälften rechts auf rechts legen, den unteren RV-Schnippel ein bisschen herausziehen, und von unten nach oben genau füßchenbreit zusammennähen, soweit es geht. Ein kleines Löchli bleibt.


Ausbügeln und das lose untere RV-Ende an einer Seite mit ein paar Stichen an die Naht heften.
Sieht jetzt so aus:


Jetzt geht es wie die Feuerwehr: Seitennähte jeweils in einem Zug schließen, die beiden dicken Nahtstellen unter den Armen zurückschneiden wie oben die Schulternähte, plattbügeln und die Belege an den Seitennähten mit ein paar Stichen mit dem Außenteil verbinden. Anprobieren, Saum abstecken und säumen.

Fertig!

So sieht das jetzt von hinten innen aus,...

...so von hinten außen. (Die Faltenbildung hat's an der Puppe, an meinem Poppes sitzt das besser. Ich schneidere ja für mich, nicht für die Puppe :D )




Bleibt noch die Frage, woher den Schnitt kriegen: In fast jeder Schnittmusterzeitschrift findet ihr Etuikleider. Ob die nun im Original Ärmel haben oder nicht, spielt keine Rolle, ihr braucht nur die Schnitte vom Vorderteil und vom (halben) Rückenteil und könnt entsprechend die Belege selbst entwickeln. Die Anpassung auf eure eigene Figur kann z.T. durch Messen und Erfahrung bewältigt werden, aber letztlich gilt hier: Versuch macht kluch. Ein Probekleidchen aus einem ungeliebten Stoff oder aus festem Nessel hilft enorm.

Am schönsten sind diese Kleider in Minilänge oder so gerade eben knielang. Wer es lieber länger hat, sollte wohl hinten einen Schlitz einbauen.

Ich habe hier im Blog diese Kleider auch aus Jersey gezeigt. Dann ist kein rückwärtiger RV nötig, man kann an entsprechender Stelle einfach die Rücknaht schließen. Allerdings muss der Schnitt für elastische Stoffe angepasst werden. Das ist aber ein anderes Kapitel...

Oh, und das Erstellen dieses Tutorials hat etwa doppelt so lange gedauert wie das Nähen des Kleides. 

Viel Spaß beim Nachnähen!